Bauantrag einreichen Ablauf, Unterlagen, Fristen und was Sie beachten sollten
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Zum Inhaltsverzeichnis springenEin Bauantrag scheitert selten an der Idee – sondern an fehlenden oder widersprüchlichen Unterlagen. Dieser Artikel zeigt, wie Sie den Antrag strukturiert vorbereiten, welche Unterlagen typischerweise verlangt werden und was Sie beachten sollten: Ablauf, Checkliste Unterlagen, Fristen und Dauer, digital vs. Papier und Tipps für zügige Bearbeitung.
Bezugsrahmen: Bayern. In anderen Bundesländern können Ablauf und Anforderungen abweichen.
Kurz
- Zuständig: In Bayern meist das Landratsamt (Untere Bauaufsicht).
- Hebel: Vollständigkeit und Konsistenz – Pläne, Beschreibung und Nachweise müssen zueinander passen.
- Wer: Bei genehmigungspflichtigen Vorhaben ist ein bauvorlageberechtigter Planer (z. B. Architekt) erforderlich; die Genehmigungsplanung (LPH 4) erstellt die Unterlagen (Lageplan, Bauzeichnungen, Stellplatznachweis usw.).
- Nächster Schritt: Erst Genehmigungsfähigkeit grob klären; bei Einzelfragen kann eine Bauvoranfrage zum Vorbescheid führen (der Antrag darauf wird vom Bauamt mit einem Vorbescheid beantwortet).
Ablauf: Von der Vorbereitung bis zum Bescheid
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Vorbereitung: Entwurf steht, Genehmigungsfähigkeit ist grob geklärt (B-Plan oder § 34, Abstandsflächen, Stellplatz). Bei Unsicherheiten kann eine Bauvoranfrage einzelne Fragen vorab klären.
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Unterlagen erstellen: Genehmigungsplanung (LPH 4) – Pläne, Nachweise, Beschreibung. Alle Angaben müssen zueinander passen (Maßstab, Nutzung, Flächen).
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Einreichung: Antrag bei der zuständigen Behörde (in Bayern meist Landratsamt – Bauamt/untere Bauaufsichtsbehörde). Viele Behörden bieten digitale Einreichung; Papier ist vielerorts noch möglich. Digital erleichtert aber oft Zuordnung und Nachreichungen.
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Prüfung: Die Behörde prüft Vollständigkeit und Rechtmäßigkeit (Bauplanungsrecht, Bauordnungsrecht, ggf. weitere Fachgesetze). Bei Unvollständigkeit: Nachforderung – das Verfahren wird häufig erst nach vollständiger Nachlieferung zügig weiterbearbeitet.
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Bescheid: Baugenehmigung (oder Ablehnung/Bedingungen). Rechtsmittel und weiteres Vorgehen hängen vom Einzelfall ab.
Checkliste Unterlagen (Orientierung)
Typische Unterlagen für einen Bauantrag (Bayern) – je nach Vorhaben und Verfahren (Genehmigung, Freistellung, vereinfachtes Verfahren usw.) sowie je nach Beteiligung (z. B. Denkmalschutz, Naturschutz, Wasserrecht) können weitere Nachweise nötig sein:
- Antragsformular / Antragsschreiben (je nach Behörde)
- Lageplan (amtlich, i. d. R. 1∶500 oder 1∶1000) mit Grundstück, Nachbarbebauung, Erschließung
- Bauzeichnungen: Grundrisse, Ansichten, Schnitte – maßstäblich und beschriftet
- Baubeschreibung (Nutzung, Konstruktion, ggf. Brandschutz, Energie)
- Planungsrechtliche Einordnung (Bebauungsplan oder § 34 BauGB, Abstandsflächen, GRZ/GFZ)
- Stellplatznachweis gemäß Stellplatzsatzung & Ablöse Bayern bzw. Stellplatzverordnung
- Nachbarunterschriften / Abstandsflächenübernahme (nur falls relevant)
- Weitere Nachweise je nach Vorhaben: z. B. Gebäudeklasse, Brandschutz, Statik, Denkmalschutz, Bodengutachten
Maßgeblich ist, was die zuständige Behörde und die Bauvorlagenverordnung (in Bayern: BayBauVorlV) fordern. Ein Architekt oder Ingenieur mit Bauvorlageberechtigung erstellt und zeichnet die erforderlichen Unterlagen.
Fristen und Dauer
Es gibt Fristen und Verfahrensschritte (z. B. Vollständigkeitsprüfung). In der Praxis hängt die Dauer stark von Vollständigkeit, Beteiligungen und dem Einzelfall ab.
- Nachforderung: Wenn Unterlagen nachgefordert werden, verzögert sich die Bearbeitung in der Praxis häufig, bis alles vollständig nachgereicht ist. Vollständige Einreichung von vornherein spart Zeit.
- Praxis: Einfache Vorhaben mit vollständigen Unterlagen werden teils in wenigen Wochen beschieden; bei Nachfragen, Beteiligungen (Nachbarn, Fachbehörden) oder aufwendigen Prüfungen können mehrere Monate ins Land gehen.
Digital oder Papier?
Viele Bauämter in Bayern bieten Online-Einreichung (z. B. über das Portal des Landkreises). Bei digitalen Verfahren sind Nachreichungen oft einfacher nachvollziehbar (Versionierung). Entscheidend bleibt die Vollständigkeit – ob Papier oder digital. Nachfrage bei der zuständigen Behörde lohnt sich („Wie reichen wir den Antrag am besten ein?“).
Tipps für zügige Bearbeitung
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Vollständigkeit: Vor der Einreichung alle Listen der Behörde und der Bauvorlagenverordnung abgleichen. Fehlende Unterlagen verzögern die Prüfung.
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Konsistenz: Alle Pläne und Beschreibungen müssen zueinander passen (gleiche Nutzung, gleiche Maße, gleicher Maßstab). Widersprüche führen zu Rückfragen.
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Maßstäbe einhalten: Lageplan und Bauzeichnungen in den geforderten Maßstäben (z. B. 1∶500, 1∶100, 1∶50) – unsaubere oder falsche Maßstäbe können zur Zurückweisung führen.
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Früh klären: Unklare planungsrechtliche oder technische Punkte (z. B. § 34, Stellplatz, Abweichung) möglichst vor dem Vollantrag klären – z. B. per Vorbescheid.
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Ansprechpartner: Bei Nachfragen der Behörde zügig reagieren. Ein Planer (Architekt/Ingenieur) übernimmt in der Regel die Abstimmung mit der Behörde im Rahmen der Genehmigungsplanung.
Was Bauämter typischerweise nachfordern
Häufige Nachforderungspunkte – ohne Anspruch auf Vollständigkeit:
- Stellplatznachweis unklar (Maße, Rangieren, Nachweis der Erreichbarkeit)
- Abstandsflächen nicht nachvollziehbar dargestellt (Höhenbezug, Grenze, Bemessung)
- Pläne und Baubeschreibung widersprechen einander (Nutzung, Flächen, Maße)
- Höhenbezug / Gelände unklar (Bezugspunkt, Traufe/First, Geländeoberkante)
- Fehlende Unterlagen: z. B. amtlicher Lageplan, Unterschriften, Vollmachten
Wer diese Punkte vor der Einreichung prüft und mit der Checkliste oben abgleicht, reduziert Nachforderungen.
Wann Vorbescheid statt Vollantrag?
Ein Vorbescheid (Bauvoranfrage) lohnt sich, wenn ein bis zwei Punkte das Projekt blockieren könnten und Sie Klarheit vor dem Vollantrag wollen – z. B.:
- Einfügung nach § 34 (Traufhöhe, Bauflucht, Dichte) – siehe § 34 BauGB
- Abweichung von einer Festsetzung (Bebauungsplan, Befreiung)
- Stellplatz (Anzahl, Ablöse, Nachweis) – siehe Stellplatzsatzung & Ablöse
Der Vorbescheid beantwortet die gestellten Einzelfragen; der eigentliche Bauantrag folgt danach.
Verbindlich ist die Behörde
Alle Angaben hier dienen der Orientierung. Maßgeblich sind die Anforderungen der für Sie zuständigen Behörde und die geltenden Rechtsvorschriften (BauGB, BayBO, BayBauVorlV usw.).
Erste Einordnung
Zur Einordnung (B-Plan, § 34, Unterlagen): Nennen Sie Adresse und Flurstück – wir melden uns in wenigen Minuten, unverbindlich.
Zusammenfassung
Den Bauantrag reichen Sie bei der zuständigen Baubehörde (in Bayern in der Regel Landratsamt) ein. Der Ablauf umfasst Vorbereitung, Erstellung der Unterlagen (Genehmigungsplanung / LPH 4), Einreichung (ideal digital), Prüfung und Bescheid. Vollständige und konsistente Unterlagen sowie früh geklärte Rechtsfragen beschleunigen die Bearbeitung; die tatsächliche Dauer hängt von Vollständigkeit, Beteiligungen und Einzelfall ab.
Weiterführende Artikel
- Genehmigungsplanung & Bauantrag – LPH 4, Unterlagen, Ablauf
- Baugenehmigung – wann nötig?
- Bauvoranfrage / Bauvorbescheid – Einzelfragen vorab klären
- Stellplatzsatzung & Ablöse Bayern
- HOAI & Leistungsphasen – Honorar, LPH 4
- § 34 BauGB – Wie prüft das Bauamt?
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